Der Rauswurf von SPD-Stadtrat Adriaan Seifert aus der Fraktionssprecherrunde durch Bürgermeister Matthias Baumann war nach unserem gestrigen Bericht ein Thema. Blumberg kam im Rundfunk. Die beiden Fraktionssprecher Stefan Scherer (CDU) und Klaus-Dieter Müller (Freie Liste) stellten sich auf Anfrage hinter den Bürgermeister, FDP-Sprecher Hilmar Schmid bekräftigte dagegen seine Kritik.
Blumberg (blu) Die erwähnte Fraktionssprecherrunde war am 10. Oktober, vier Tage nach der Bürgerversammlung in Achdorf , auf der es um das geplante Wasserkraftwerk am Achdorfer Wehr ging. Der Gemeinderat hat im Juli mehrheitlich dafür gestimmt, gegen die Stimmen der SPD. Im Achdorfer Tal hatte der Beschluss heftigen Widerstand erzeugt. Am Montagabend machte Seifert seinen Rausschmiss öffentlich.
"Ich kann die Reaktion des Bürgermeisters verstehen und unterstütze ihn auch", erklärte CDU-Stadtrat Stefan Scherer auf Anfrage. Die SPD-Fraktion habe sich auf der Bürgerversammlung in Achdorf am 6. Oktober unklug verhalten und sich "nicht an Absprachen" gehalten. "Man muss wissen, dass der Gemeinderat ein Teil der Verwaltung ist", sagte Scherer. Doch wird da nicht die Meinungsfreiheit eingeschränkt? Stefan Scherer sieht das nicht so: Der Gemeinderat habe einen Beschluss gefasst und damit eine Meinung kundgetan, und daran wollte man sich halten."
Auch Klaus-Dieter Müller, Sprecher der Freien Liste, hat an dem Vorgehen nichts auszusetzen, im Gegenteil: "Ich solidarisiere mich mit dem Bürgermeister", sagte Müller, er finde Baumanns Reaktion mutig. Sie hätten das Ganze vor der Bürgerversammlung vorbesprochen, es habe eine Mehrheitsentscheidung gegeben, "und an die hat sich der ganze Gemeinderat zu halten."
SPD-Fraktionssprecher Adriaan Seifert sieht die Situation anders. Der Bürgermeister habe vor der Bürgerversammlung versucht, die Fraktionen "auf Linie" zu bringen. Für ihn, Seifert, sei der Rauswurf beleidigend und ehrenrührig.
FDP-Sprecher Hilmar Schmid stärkt seinem Kollegen Seifert den Rücken. Der Bürgermeister habe Seifert vorgeworfen, dass er sich auf der Bürgerversammlung in Achdorf zu Wort gemeldet habe. In der Fraktionssprecherrunde sei sehr emotional diskutiert worden. Die Sprecher von CDU und Freier Liste hätten derart über die Versammlung und über Personen hergezogen, dass er gesagt habe, an dieser Diskussion beteilige er sich nicht mehr. So wie Seifert könne es auch anderen ergehen, betonte Hilmar Schmid: Man müsse immer damit rechnen, dass man zuerst eingeladen und dann wieder heimgeschickt werde, wenn man "in Ungnade" falle.
Doch nicht alle in der vierköpfigen SPD-Fraktion sind mit dem Vorgehen Seiferts einig. SPD-Stadträtin Ursula Pfeiffer nannte es unglücklich, damit so an die Öffentlichkeit zu gehen, das habe sie ihren Kollegen vorige Woche auch gesagt. Sie hätte es besser gefunden, das Ganze anders zu klären. Seiferts Stellvertreter Albrecht Guckeisen erklärte dagegen, hier müsse vermittelt werden, "denn es muss ja weitergehen". Bürgermeister Baumann war gestern nicht zu erreichen.
Südkurier, 13.12.2006