Immer weniger Notfallbetten in den Krankenhäusern - Problem bei Unfällen
Wenn im Raum Blumberg ein Unfall passiert, müssen die Ärzte zum Teil erst die Krankenhäuser nach einem freien Notfall-Bett abtelefonieren. Regelmäßig kämen Patienten nach Freiburg und Tübingen, weil in der Region keine Betten mehr frei seien, sagte Andreas Wetzel vom DRK.
Blumberg (blu) Auch nach Basel, Straßburg und St. Gallen wurden schon Patienten geflogen, berichtete Wetzel, hauptamtlicher Einsatzleiter des DRK-Rettungsdienstes in Blumberg. Bei dem Gespräch in der Sozialstation mit der SPD-Bundestagskandidatin Beate Schmidt-Kempe und der Ulmer SPD-Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis machte die Blumberger Ärztin Jutta Holzke Handlungsbedarf aus. Für sie ist in einem Notfall der Zeitfaktor ein Problem. Wenn ein Akutpatient 45 Minuten auf einen Krankenwagen warten müsse, sei das inakzeptabel. Einsatzleiter Wetzel betonte, dies müsse bei der Planung des neuen Großklinikums in VS berücksichtigt werden. Das bekräftigte auch der stellvertretende DRK-Ortsvorsitzende Albert Schnell.
Die Ärztin Jutta Holzke nannte ein zweites Problem: "Wir wissen zum Teil gar nicht, wo wir unsere Patienten noch hinbringen dürfen. Wir haben kein Akutkrankenhaus mehr in der Nähe." Seit das Klinikum Donaueschingen diesen Status verlor und nach Villingen abgeben musste, sei dies so.
Ist die Notfallversorgung für Blumberg gewährleistet, fragte SPD-Stadtrat Albrecht Guckeisen. Andreas Wetzel antwortete, primär ja, sekundär nein. In Blumberg seien ein Rettungstransportwagen (RTW) und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) mit der gleichen Ausrüstung aber ohne Transportmöglichkeit vor Ort. Wenn der Rettungswagen gerade nach Villingen oder Schwenningen unterwegs sei, "muss man warten".
Der Mediziner Martin Humbach, einer von vier Blumberger Ärzten, die den Notfalldienst leisten, bestätigte gestern auf Anfrage die Situation. Zwei oder drei Schwerverletzte auf einmal in den Krankenhäusern unterzubringen werde inzwischen schwierig. Die Krankenhäuser könnten es sich nicht mehr leisten, Betten leerstehen zu lassen, weil über die Fallpauschale abgerechnet werde. "Wir reden im Moment nicht von Bettenkapazität sondern von Aufnahmekapazität", erklärte Humbach. Bei größeren Unfällen könne das ein Problem werden, ohne Hubschrauber gehe da gar nichts. Humbach abschließend: "Wir haben bisher einfach Glück gehabt."
Die schnellste medizinische Notrufnummer im Schwarzwald-Baar-Kreis ist die 19222.
Südkurier, 23.8.2005