Blumberg (blu) Adriaan Seifert bleibt gelassen. Den Vorsitz beim SPD-Ortsverein wird der 59-Jährige nicht abgeben, auch wenn er schon verschiedentlich darauf angesprochen wurde.
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Blumberg (blu) Adriaan Seifert bleibt gelassen. Den Vorsitz beim SPD-Ortsverein wird der 59-Jährige nicht abgeben, auch wenn er schon verschiedentlich darauf angesprochen wurde.
Das war bereits vor dem Rücktritt des SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck am Sonntag, betont Seifert. Die Führungskrise der Bundespartei präge die Stimmung. So habe er im vergangenen Jahr von mehreren Personen gehört, das nächste Mal würden sie die SPD nicht mehr wählen, oder sie würden austreten und die Linken wählen. Solche Rückmeldungen, so schildert Seifert, habe er auch schon von anderen SPD-Ortsvorsitzenden gehört. Seifert macht sich mit folgendem Satz Mut: "Es ist des kleinen Mannes Zuversicht, seine Vorgesetzten zu überdauern."
Aufmerksam verfolgt der Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer der Blumberger Realschule die Entwicklung in der Partei, die durch den Rücktritt des Vorsitzenden Kurt Beck am Sonntag eine Zäsur erfuhr. "Ganz überrascht bin ich nicht", sagt Seifert. Und er ergänzt: "So wie er sagt, dass man mit ihm umgegangen sei, hält man das auf Dauer nicht aus."
Wen hat Kurt Beck nach Seiferts Ansicht hauptsächlich als Grund ausgemacht: die eigenen Leute als Stichwortgeber, oder die Medien? "Ich denke, er hat vor allem die eigenen Leute gemeint und erst in zweiter Linie die Medien."
Kurt Beck ist ein Mosaikstein einer Volkspartei, die sich aus verschiedenen Gründen schwer tut. "Fünf Vorsitzende in fünf Jahren: Richtig stolz auf die Führung kann man natürlich nicht sein", betont Seifert.
Wie kann die Partei wieder eine Perspektive entwickeln? Die Antwort kommt sofort. "Das Wichtigste ist die Glaubwürdigkeit!" Das habe er Kurt Beck schon vor einiger Zeit geschrieben. Die SPD sei eine Partei, die einmal als klassische Aufgabe vor allem die Arbeitnehmer vertreten hat." Inzwischen seien die Arbeiter genauso auch bei der CDU oder den Linken vertreten. Wenn die SPD weiterhin eine Partei für die Arbeitnehmer sein wolle, "müssen wir uns stark machen für die Mindestlöhne, die sonst europaweit längst eingeführt sind". Und man sollte die Pendlerpauschale wieder einführen, gerade bei den horrend gestiegenen Spritpreisen.
Beim Stichwort Glaubwürdigkeit geht der Blick auch nach Hessen. Die dortige SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti habe den Fehler gemacht und sich zu früh festgelegt. Es sei besser, sich vorher nicht so festzulegen, weil man sich damit selbst Fesseln anlege. Damit enge man seinen eigenen Handlungsspielraum ein, und das sei falsch. "Denn Politik will ja gestalten."
Bei der Kommunalwahl 2009 wird Seifert in Blumberg wieder kandidieren, natürlich für die SPD.
Südkurier, 9.9.2008
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