Entwicklungshelfer für Ideen

Presseecho

Die Regionale Wirtschaftsförderung hat vor einem Jahr das „Netzwerk Innovationsförderung“ für die Region ins Leben gerufen – und stellt es jetzt am 5. März beim Wirtschaftstag in Rottweil vor. Armin Frank gehört mit Angela Imdahl, Expertin für Kommunikation und Netzwerkmanagement aus Rottweil, sowie dem Kunststofffachmann Walter Pankoke aus Niedereschach zu den treibenden Kräften. Das Netzwerk hat bereits konkrete Projekte ins Laufen gebracht.

Herr Frank, wozu dient das neue Innovationsnetzwerk?

Innovationsförderung soll die bestehenden Aktivitäten in der Region verstärken. Und je mehr man dort tut, desto mehr Ergebnisse bekommt man. Innovation setzen wir nämlich gleich mit Wachstum und Beschäftigung.

Wie setzen Sie an dabei?

Ausgangspunkt ist immer der Mensch, Innovation entsteht im Kopf. Aber damit da genügend entsteht, braucht der Mensch genügend Spielraum – im wahrsten Sinne des Wortes. Menschen am Arbeitsplatz muss man Raum zur Entfaltung geben. Damit können sie selbst einen Beitrag für den Erhalt und für die Entstehung von Arbeitsplätzen leisten.

Wie kann das Netzwerk dies nun umsetzen?

Indem wir Methoden vermitteln, mit Unternehmen sprechen, indem wir gute Beispiele – also „Leuchttürme“ – entdecken. Davon gab und gibt es genügend in der Region. Angefangen von der Uhrenindustrie bis heute zur Medizintechnik. Jeder Industriebereich hatte seinen eigenen Zyklus, aber nie bis zum kompletten Niedergang. Auch aus früher großen Industrien sind neue Firmen entstanden, die neue Produkte, neue Märkte entwickelt haben. Und oft genug stellen wir fest, dass diese Innovationen gar nicht genügend bekannt sind.

Was ist dabei Ihre Aufgabe?

Eine der Aufgaben des Netzwerks wird sein, Plattformen zu bieten, um diese Innovationsleuchttürme bekannt zu machen. Zum Beispiel mit der Bildung weiterer Netzwerke, mit Veranstaltungsreihen oder auch im Internet. Wir wollen nicht nur mithelfen, ein Klima zu schaffen, in dem es Spaß macht, Innovationen zu entwickeln. Wir wollen darüber hinaus aus diesem Umfeld einen Beitrag leisten, Cluster zu entwickeln.

Was ist denn ein Cluster?

Das ist eine Ansammlung unterschiedlicher Ansätze von Unternehmen, von Menschen in Unternehmen, von Forschungseinrichtungen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Ganz konkret wollen wir mithelfen, ein Cluster der Fahrzeug-Zulieferer dieser Region zu entwickeln. Darauf haben wir im Netzwerk in den vergangenen Monaten den Schwerpunkt gelegt.

Was haben Sie konkret schon unternommen?

Es haben bereits drei Runde Tische mit Unternehmen dieser Region statt gefunden. In dieser Woche waren beim Runden Tisch bereits 17 Firmen dabei. Zum Beispiel Kendrion Binder und EBM Pabst, aber auch ein Spezial-Stahlanbieter für die Autobranche und Software-Entwickler für Auto-Getriebe, Drehteilehersteller und andere mehr.

Was ist der Zweck dieser Runden Tische?

Hier geht es um die Vorbereitung für ein professionelles Netzwerk, in dem die ersten gemeinsamen Ideen entwickelt werden, diese vielleicht auch gemeinsam zu vermarkten, aber auch, sich diese Aktivitäten fördern zu lassen.

Haben sich erste Schnittmengen und potenzielle Projekte ergeben?

Thema unserer bislang letzten Diskussion war zum Beispiel, ob sich das Konzept für einen ganz neuartigen Motor für die Netzwerkarbeit eignet. Das Motorprinzip, erfunden von Wolfgang Seemann aus Hausen ob Verena, nutzt Kraftstoff viel effizienter, man kalkuliert mit einem Liter Benzin auf hundert Kilometer, und der Kohlendioxid-Ausstoß ist kaum mehr ein Thema. Die Antwort beim Runden Tisch, ob sich dieses Thema für uns eignet, war „Ja“. Aber es war klar, dass es ein langfristiges Projekt ist, bei dem viele einzelne Innovationen notwendig sein werden. Das Netzwerk wird versuchen, dafür interessierte Firmen zu finden. Die einzelnen Zwischenschritte dabei sind schon so interessant für die Entwicklung, dass sie auch noch in anderen Anwendungen eingesetzt werden können.

Wie geht es nun weiter?

Ausgangspunkt ist ja die Standortoffensive der Regionalen Wirtschaftsförderung, die kann die Netzwerke aber auf Dauer nicht finanziell stemmen. Die Netzwerke werden also gezwungen sein, mit ihrer Aufgabe Geld zu verdienen. Dafür gibt es gute Beispiele aus Deutschland: Jeder Beteiligte zahlt einen Beitrag für das professionelle Netzwerkmanagement ein, profitiert aber auch von den Ergebnissen. Außerdem gibt es Förderprogramme, und wenn alles gut geht, könnten schon dieses Jahr erste Gelder in unser geplantes Netzwerk „Auto der Zukunft“ fließen.

Was haben die Unternehmen konkret davon?

Zum Beispiel Beschleunigung in der Entwicklung, Gewinnen von neuen Produktideen in der gemeinsamen Diskussion, Beteiligung an gemeinsamem Marketing. Wichtig ist auch die Personal-Komponente: Die Mitarbeiter bekommen eine weitere Plattform zum Austausch mit anderen Unternehmen – das führt zu mehr und zu schnellerer Erkenntnis beim Mitarbeiter selbst. Es gibt zum Beispiel auch Netzwerke, die einen gemeinsamen Einkauf organisiert haben, von Rohmaterial bis hin zum Strom.

Wie sind die Perspektiven für unsere Region?

Die großen Automobilhersteller gehen immer mehr dazu über, Forschungs- und Entwicklungsaufgaben an ihre Zulieferer auszulagern – und das ist eine Riesenchance. Unser Ansatz ist es, die Innovationskraft der kleinen und mittleren Automobilzulieferer zu stärken, denn 35 Prozent aller Industriearbeitsplätze in der Region hängen hiervon ab. Es gibt auch Förderprogramme, die darauf zugeschnitten sind, gerade für kleine und mittlere Unternehmen.

Sie engagieren sich bei all dem ehrenamtlich und investieren viel Zeit – was motiviert Sie?

Es macht mir einfach einen riesigen Spaß, weil ich sehe, dass das was bringen wird, und weil wir im Innovationsnetzwerk so gut zusammenarbeiten.

Fragen: Jürgen Dreher

Südkurier 31.01.2010

 
 

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